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Die E-ID ist sicherer als die Ausweiskopie, die du heute hochlädst
Die meisten Sorgen um die Schweizer E-ID drehen sich um Daten, die der Bund längst hat. Das echte Risiko liegt woanders, und genau deshalb hat der Bund den Start im Juni verschoben.
Wer heute online ein Bankkonto eröffnet oder bei einem Mietportal sein Alter bestätigt, lädt oft ein Foto seiner ID hoch. Vorder- und Rückseite, alle Angaben, und was danach damit passiert, weiss niemand. Die Schweizer E-ID ist die Antwort auf genau dieses Foto, und sie ist in den meisten Punkten sicherer, als die Debatte um sie vermuten lässt.
Die Abstimmung vom September 2025 ging mit 50,39 Prozent Ja durch, knapper geht es kaum. Viele Nein-Stimmen hatten mit Angst um die eigenen Daten zu tun. Diese Angst ist verständlich, sie zielt aber meistens auf das Falsche.
Welche Daten der Bund über dich schon hat
Das E-ID-Gesetz legt in Artikel 15 fest, was in der E-ID steht: amtlicher Name und Vorname, Geburtsdatum, Geschlecht, Heimatort, Geburtsort, Nationalität, Gesichtsbild und AHV-Nummer, dazu technische Angaben wie E-ID-Nummer und Ablaufdatum.
Keine dieser Angaben ist neu. Die E-ID wird aus deinem bestehenden Pass, deiner ID oder deinem Ausländerausweis erstellt, und die Daten dahinter führt der Staat seit Jahren. Du scannst den Ausweis, machst ein kurzes Video von deinem Gesicht, und das System vergleicht beides mit dem, was schon da ist.
Neu ist also nicht, was gespeichert wird, sondern wo. Und das ist der Punkt, an dem die E-ID besser ist als das, was wir heute machen.
Wo die E-ID in der swiyu Wallet liegt, und wer sieht, wo du sie brauchst
Die E-ID liegt in der swiyu Wallet auf deinem Handy, nicht in einer Datenbank, die jemand angreifen könnte, um alle E-IDs auf einmal zu holen. Das ist der grosse Unterschied zum Gesetz von 2021, das private Anbieter vorgesehen hatte und abgelehnt wurde.
Weist du die E-ID irgendwo vor, passiert das zwischen dir und der prüfenden Stelle. Der Bund als Aussteller erfährt nichts davon. Er führt ein Register, mit dem Prüfende kontrollieren können, ob eine E-ID echt und nicht gesperrt ist, aber kein Protokoll darüber, wer sich wann wo ausgewiesen hat.
Dazu kommt die sogenannte Unverknüpfbarkeit. Die Wallet bekommt nicht eine E-ID, sondern einen ganzen Stapel technisch verschiedener E-IDs, und jede wird nur einmal vorgewiesen. Sind sie aufgebraucht, kommen automatisch neue. Damit können zwei Shops, bei denen du dein Alter bestätigt hast, ihre Daten nicht zusammenlegen und herausfinden, dass es beide Male du warst.
Das gilt aber nur für das, was du nicht selbst preisgibst. Zeigst du einer Stelle deinen Namen, kennt sie deinen Namen. Und beim Verbindungsaufbau fallen Randdaten wie eine IP-Adresse an, das schreibt der Bund selbst. Unverknüpfbar heisst: nicht über die Kryptografie verknüpfbar. Es heisst nicht unsichtbar.
Warum die E-ID sicherer ist als eine Ausweiskopie
Der Vergleich, der zählt, ist nicht E-ID gegen gar nichts. Es ist E-ID gegen das Foto deiner ID, das heute bei Banken, Vermietern und Onlineshops liegt.
| Foto deiner ID | E-ID | |
|---|---|---|
| Was die Stelle sieht | Alles, was auf dem Ausweis steht | Nur, was sie anfragt und du freigibst |
| Altersprüfung | Geburtsdatum, Foto, Name, Nummer | Nur «über 18», ohne Geburtsdatum |
| Wenn die Stelle gehackt wird | Die Kopie ist brauchbar, für immer | Ein einmal gebrauchter, signierter Nachweis |
| Kann jemand damit als du auftreten? | Oft ja, eine Kopie ist eine Kopie | Nur mit deinem entsperrten Handy |
| Kannst du es zurückziehen? | Nein | Ja, neue E-ID bestellen, die alte ist ungültig |
Der vierte Punkt ist der wichtigste. Eine E-ID ist an einen Schlüssel gebunden, der in der Hardware deines Handys liegt. Ich habe mir dafür den Quellcode der Android-Wallet angeschaut, der öffentlich auf GitHub liegt: Die Datei CreateJWSKeyPairInHardwareImpl.kt erzeugt das Schlüsselpaar im Android Keystore und markiert die Bindung als HARDWARE, auf dem iPhone übernimmt das die Secure Enclave. Sofern das Handy es unterstützt, verlässt der private Schlüssel den Chip nicht. Wer eine E-ID kopiert, hat eine Datei ohne den Schlüssel, der sie gültig macht.
Und es ist nicht ein Schlüssel für alles. Jede E-ID aus dem Stapel bekommt ihren eigenen, und jede wird nur einmal gezeigt. Sind nur noch ein Fünftel übrig, erzeugt die Wallet neue Schlüssel und holt einen neuen Stapel, so steht es in RefreshBatchCredentialsImpl.kt. Die ID in deinem Portemonnaie zeigt dagegen jedem dieselbe Nummer, jahrelang.
Die Angst, dass die E-ID gestohlen wird, trifft deshalb eher die Kopie, die vielleicht schon heute bei mehreren Firmen liegt.
Was passiert, wenn dein Handy gestohlen wird
Wer deine E-ID missbrauchen will, braucht dein Handy und muss sowohl das Gerät als auch die swiyu App entsperren. Das ist dieselbe Hürde, die heute schon vor deiner Banking-App steht.
Sperren ist einfach: Du bestellst eine neue E-ID. Sobald sie ausgestellt ist, wird die alte automatisch ungültig, egal auf welchem Gerät sie liegt. Beim Bestellen kannst du die E-ID auf bis zu acht Geräte laden, danach nicht mehr. Das ist gewollt, weil sonst ein Betrüger dich per Phishing dazu bringen könnte, deine E-ID auf sein Gerät zu übertragen.
Der Preis dafür: Wiederherstellen lässt sich eine verlorene E-ID nicht. Ein Backup-Dienst des Bundes war geplant und wurde im Februar 2026 aus Spargründen vorerst gestrichen, zusammen mit der Möglichkeit, die E-ID in eine andere Wallet als swiyu zu laden. Verlierst du das Handy, bestellst du neu.
Was an der E-ID ein echtes Risiko bleibt
Ein Punkt ist nicht gelöst, und der Bund sagt das selbst. Geplant war der Start am 1. Dezember 2026. Am 30. Juni 2026 hat das Bundesamt für Justiz ihn verschoben, ohne neues Datum. Der Grund ist die Online-Ausstellung: Mit aktuellen KI-Werkzeugen lassen sich Gesichtsvideos fälschen, und Schadsoftware auf dem Handy könnte der Prüfung ein solches Video unterschieben. Der Bund will beides erschweren, bevor die erste echte E-ID ausgestellt wird.
Das ist die Stelle, an der ein Angreifer eine E-ID auf fremden Namen bekommen könnte. Und dass der Bund dafür lieber den Termin verschiebt als das Risiko einzugehen, ist für mich das beste Argument für das Projekt.
Das zweite Risiko ist, dass Anbieter mehr verlangen, als sie brauchen. Das Gesetz erlaubt eine Abfrage nur, wo sie nötig ist. Seit Februar 2026 kommt dazu: Anbieter müssen ihre Abfragen und den Zweck vorab in einem öffentlichen Register hinterlegen, die Wallet warnt dich bei zu vielen Fragen, und eine AHV-Nummer bekommt nur, wer gesetzlich dazu berechtigt ist. Solche Anfragen blockiert die Wallet automatisch. Das sind angekündigte Massnahmen, wie gut sie im Alltag greifen, zeigt sich erst nach dem Start.
Geprüft wird das Ganze öffentlich. Seit Juli 2025 läuft ein Bug-Bounty-Programm des Bundes für swiyu, seit April 2026 für alle offen. Bis dahin wurden zwölf Schwachstellen gefunden und bezahlt, eine davon mit hoher Kritikalität. Das klingt schlecht, ist aber der Sinn der Sache: Diese zwölf findet jetzt niemand mehr nach dem Start.
Was das für dich heisst
Du musst heute nichts tun, und du musst die E-ID auch später nicht nehmen. Wenn sie kommt, gibt es eine einzige Gewohnheit, die sich lohnt: Lies, was eine Stelle von dir sehen will, bevor du bestätigst. Die Wallet zeigt es dir, und «über 18» ist eine andere Frage als Name, Geburtsdatum und AHV-Nummer.
Wer ein Unternehmen führt, sollte eines wissen: Die Infrastruktur hinter der E-ID startet voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027, unabhängig von der E-ID selbst. Ab dann kann jede Organisation eigene digitale Nachweise ausstellen und prüfen, zum Beispiel Mitgliederausweise oder Diplome. Ob das für deinen Betrieb eine Ausweiskopie ersetzt, ist eine Frage der Produktentwicklung, und dieselbe Frage nach Datensparsamkeit stellt sich bei KI-Modellen und dem Schweizer Datenschutz.
die leistung dazu
Die Leistung dazu
Produktentwicklung im DetailScope ist der einzige Hebel, der einen Termin zuverlässig bewegt.fragen
Fragen dazu.
Ab wann gibt es die E-ID in der Schweiz?
Ist die E-ID obligatorisch?
Was ist die swiyu App?
Sieht der Staat, wo ich meine E-ID benutze?
Was passiert, wenn ich mein Handy verliere?
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